
Solange sich unser „miteinander reden“ darauf bezieht, das wir uns gegenseitig informieren, uns absprechen oder über belanglose Themen reden, funktioniert das oft gut.
Aber sobald Emotionen und Bedürfnisse dazu kommen, wird es schwieriger.
Vor allem in Kontakt mit Menschen, die uns viel bedeuten, wie in Partnerschaft oder mit Familienmitgliedern, sind wir emotional besonders empfindlich.
Warum?
Weil sich erst, wenn es wirklich nah wird, emotionale Verletzungen und der alte nicht geheilte Schmerz der Vergangenheit intensiv zeigen. 💫
Das wir diese frühkindlichen Wunden haben, ist oft Schicksal, aber wie wir damit umgehen, liegt in unserer Hand.
Jedes kindliche Trauma kann im späteren Leben zu einer besonderen Fähigkeit oder aber zu einer unguten Blockade werden.
Ein Beispiel aus meinem Leben: 💫
Ich hatte eine ängstliche, überarbeitete Mutter, die zwar liebevoll zu mir war, aber dennoch oft leidend, traurig und leise.
Das hat dazu geführt, dass ich zu einer mitfühlenden Beobachterin meiner Mutter wurde, weil ich wollte, dass es ihr gut geht, damit ich als Kind „überleben“ konnte.
Ich nahm jede Gefühlsschwankung von ihr wahr und hatte eine große Sensibilität dafür, was sie gerade braucht.
Ich konnte meiner Mutter nie böse sein, für das, was sie mir als Kind nicht geben konnte, weil ich von ihrer schweren Kindheit wusste und schon früh Verständnis dafür aufbrachte, warum sie so war.
Ich hatte Nachsicht und stellte dafür leise meine Bedürfnisse zurück, von denen ich wusste, dass sie ihr nicht gefallen würden.
💫 Die gute Nachwirkung davon ist, dass ich eine ausgeprägte Fähigkeit an kognitiver Empathie entwickelt habe andere Menschen auch ohne viele Worte zu fühlen und ihnen in emotional herausfordernden Situationen aus einer Krise zu helfen. Ich spüre sie.
💫 Die ungute Nachwirkung davon ist, dass ich beispielsweise in einer Partnerschaft viel Verständnis habe, wenn sich der Partner mir gegenüber nicht gut oder nicht wertschätzend verhält.
Ich toleriere viel, weil ich mich in meinen Partner hineinversetzen und mitfühlen kann, warum er es tut. Ich sehe seine Wunde, seine Vergangenheit, seine Geschichte und seine Ängste aus der heraus er handelt.
Selbst wenn es mir weh tut, kann ich nur schwer wütend werden. Ich vergebe schnell und bin nicht nachtragend.
Das ist perse keine schlechte Eigenschaft.
Aber sie kann auch dazu führen, dass wir das gleiche von einem Partner erwarten, dass er uns wortlos sieht, uns versteht, uns vergibt und einfühlsam ist.
Oder aber auch, dass wir unsere Grenzen und Wünsche nicht aussprechen und schließlich nicht gesehen werde mit unseren Bedürfnissen.
💫 Die Lösung und Heilung in Partnerschaft war und ist für mich heute Kommunikation. Ein ehrliches Mitteilen.
Es ist mir lange Zeit nicht leicht gefallen in einer nahen Beziehung, meine Bedürfnisse zu äußern, vor allem, wenn ich spürte, dass der andere es als Kritik oder Angriff hörte und beginnt zu leiden.
Dann war ich oft ziemlich schnell bereit meine Bedürfnisse wieder zurück zunehmen, damit sich der andere wieder wohlfühlt.
Doch das Leben möchte, dass wir uns entstricken aus den emotionalen Wunden unserer Kindheit. Es hilft uns, indem es Unwohlsein und Schmerz hochfährt.
Und so war schließlich irgendwann mein Schmerz „nicht gehört zu werden“ in einer Partnerschaft so groß, dass ich begonnen habe mich zu trauen ehrlich meine Bedürfnisse auszusprechen und mich verletzlich zu zeigen.
Meine eigenen Anspruch immer achtsam zu reden, um den anderen nur ja nicht weh zu tun, musste ich dafür über Bord werfen.
Ich habe gelernt mich nicht mehr für alles verantwortlich zu fühlen, was der andere aus meinen Worten glaubt herauszuhören oder was er daraus urteilt und fühlt.
Denn eine wichtige Lektion für ein gutes Miteinander reden, ist, dass jeder die Verantwortung für seine eigenen Gedanken und Gefühle übernimmt, die die Worte des anderen in ihm auslösen.
Wir können dabei trotzdem empathisch bleiben, indem wir aus einem Gespräch nicht weglaufen, zuhören, nicht beleidigt reagieren und solange an einem Thema dranbleiben, bis von beiden Seiten alles gesagt ist und sich alle unguten Gefühle aufgelöst haben.
Gott hat uns eine Stimme und die Sprache gegeben, nutzen wir sie für Nähe, Verbindung und Frieden.
Von Herzen ❤️ Jeanette
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